Freitag, 04. November 2011 um 00:00
In den Jahren meiner ersten Jugend bin ich oft auf hohen Bergen allein gestanden, und mein Auge hing lange an der Ferne, an dem verklärten Duft der letzten zarten Hügel, hinter denen die Welt in tiefe, blaue Schönheit versank. Alle Liebe meiner frischen, begehrlichen Seele floss in eine große Sehnsucht zusammen und trat mir feucht ins Auge, das mit verzaubertem Blick die milde der Ferne Bläue trank.
Die heimatliche Nähe erschien mir so kühl, so hart und klar, so ohne Duft und Geheimnis, und dort jenseits war alles so mild getönt, so überflossen von Wohllaut, Rätsel und Lockung. Ich bin seither ein Wanderer geworden und bin auf allen jenen duftigen fernen Hügeln gestanden. Sie waren kühl, hart und klar, aber jenseits, weiter hinaus, lag wieder jene in Ahnung aufgelöste, selig blaue Tiefe – noch edler und sehnsuchtserweckender. Noch oft sah ich sie verlockend liegen. Ich widerstand ihrem Zauber nicht, ich ward heimisch in ihr und ward fremd auf den Hügeln der Nähe und Gegenwart. Und das nenne ich nun das Glück: sich hinüber neigen, blaue Gefilde in weiter Abendferne erblicken und die kühle Nähe für Stunden vergessen. Das ist das Glück, etwas anderes als meine Jugend meinte, etwas Stilles und Einsames, schön, doch nicht fröhlich. (weiter...)
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